Wie kannst du feststellen, dass die Abtreibung Komplikationen verursacht und was kannst du tun?

 

Wenn die medikamentöse Abtreibung innerhalb der ersten zehn Wochen durchgeführt wird besteht ein nur sehr geringes Risiko zu Komplikationen. Diese Risiken sind die selben, wie bei einer spontanen/ natürlichen Abtreibung bzw. einer Fehlgeburt. Durch medizinische Hilfe können diese Komplikationen leicht behandelt werden. Von 100 Frauen die eine medikamentöse Abtreibung durchführen müssen zwei bis drei von ihnen Hilfe bei einem/r Arzt/ Ärztin, einem Notfalldienst oder einem Krankenhaus aufsuchen, um zusätzliche medizinische Versorgung zu erlangen.

In den folgenden Absätzen werden die möglichen Komplikationen, ihre Symptome und ihre Behandlungen erläutert.
Starke Blutungen/ Sturzblutungen (Das Risiko bei medikamentösen Abtreibungen beträgt weniger als 1 Prozent)
Symptome: Blutungen die mehr als 2 dauert und mehr als 2 Maxi Binden pro Stunde durchnässt. Benommenheit oder Schwindel kann ein Zeichen für einen zu hohen Blutverlust sein. Ein hoher Verlust an Blut/ Sturzblutung ist gefährlich und muss von einem/r Arzt/ Ärztin medizinisch versorgt werden.
Behandlung: Eine chirurgische Abtreibung/ Vakuumabsaugung (Kuerettage). Wenn möglich, sollte die Person unmittelbar bevor sie ins Krankenhaus geht zu Hause 2 Tabletten Misorostol unter der Zunge einnehmen. Selten (in weniger als 0,2 Prozent der Fälle) ist eine Bluttransfusion notwendig.

Unvollständige Abtreibung
Symptome: Stark anhaltende Blutungen und oder anhaltende starke Schmerzen.
Behandlung: 2 Tabletten Misoprostol unter der Zunge oder eine chirurgische Abtreibung/ Vakuumabsaugung (Kuerettage)

Infektion
Symptome: Wenn du Fieber hast, welches höher ist als 38 Grad Celsius und dieses Fieber länger als 24 Stunden anhält oder Fieber mit mehr als 39 Grad Celsius zu jeglichem Zeitpunkt, ist das ein Zeichen einer möglichen Infektion die einer medizinischen Behandlung bedarf.
Behandlung: Antibiotikum und/ oder eine chirurgische Abtreibung/ Vakuumabsaugung (Kuerettage)

Wenn du denkst, du könntest von einer Komplikation betroffen sein, solltest du einen Arzt/ eine
Ärztin aufsuchen. Wenn du an einem Ort lebst, an dem eine Abtreibung gesetzlich als
Verbrechen gilt und du keinen Arzt/ keine Ärztin hast, der du vertraust, kannst du trotzdem auf
eine medizinische Versorgung zurückgreifen. Du musst dem medizinischen Personal nicht
sagen, dass du versucht hast, eine Abtreibung durchzuführen. Du kannst ihnen sagen, dass
du eine spontane Fehlgeburt hattest. Ärzte/ Ärztinnen weltweit haben die Pflicht, dich jederzeit
medizinisch zu versorgen und verfügen auch über das nötige das Wissen, wie eine
Fehlgeburt (also auch Komplikationen bei einer Abtreibung) medizinisch behandelt wird.

Die Symptome und die medizinischen Behandlungen einer medikamentösen Abtreibung sind
dieselben wie bei einer Fehlgeburt und ein Arzt/ eine Ärztin kann keine Anzeichen einer
durchgeführten Abtreibung sehen oder testen, solange sich die Tabletten vollständig aufgelöst
haben. Wenn du das Misoprostol unter der Zunge angewendet hast, wie es unser Protokoll
empfiehlt, sollten sich die Tabletten innerhalb von 30 Minuten aufgelöst haben. Solltest du die
Pillen vaginal eingenommen haben, musst du mit dem Finger überprüfen, ob sie sich aufgelöst
haben. Es können Spuren der Tabletten bis zu vier Tage nach der Einführung in der
Scheide gefunden werden.

Bei weniger als einem Prozent der Personen, die eine medikamentöse Abtreibung durchführen
kann die Schwangerschaft trotz der Abtreibung weiterhin anhalten/ sich weiterhin entwickeln. Dies kann über einen Ultraschall nach einer Woche oder einem Schwangerschaftstest drei Wochen nach der Abtreibung festgestellt werden. Sollte die medikamentöse Abtreibung fehl schlagen, steigt das Risiko von
Geburtsschäden wie zum Beispiel Hand- oder Fussdeformationen oder Problemen mit der
Entwicklung des Nervensystems des Fötus . Um eine anhaltende Schwangerschaft zu
beenden, muss die Abtreibung (medikamentös oder chirurgisch) wiederholt werden.